Schokohimmel oder Schokohölle? Der Salon du Chocolat in Zürich

Ein Wochenende voller Schokolade verspricht der Salon du Chocolat in Zurüch

Ein Wochenende voller Schokolade verspricht der Salon du Chocolat in Zürich

Mit 90 Chocolatiers, Pâtissiers und Schokoladen-Experten aus aller Welt, dutzenden Veranstaltungen und viel Nascherei versuchten die Veranstalter des zweiten Salon du Chocolat in Zürich, möglichst viele Schokobegeisterte anzulocken. Mit Erfolg: 16.000 Besucher sahen die Schokomesse an den drei Messetagen und zahlten stolze 18 Schweizer Franken (rund 15 Euro) Eintritt. Wir waren ebenfalls vor Ort, um zu überprüfen, ob der Salon du Chocolat in Zürich sein Geld auch wert ist.

Schokotainment

„Der Teufel liebt Süßes!“, scherzt Nick Malgieri über die Herkunft seines Devil’s Food Cake. In einem amüsanten Mix aus Schweizerdeutsch und amerikanischen Englisch führt er durch die halbstündige Show. Sein Publikum, rund 150 Gäste des Salon du Chocolat in Zürich, hat er bereits nach dem ersten Satz auf seiner Seite.

Nick Malgieri und Brian werkeln am Devil's Food Cake

Nick Malgieri und Brian werkeln am Devil’s Food Cake

Malgieri, von seinen Landsleuten nicht selten als „Back-Gott Amerikas“ bezeichnet, ist es gewohnt auf der Bühne zu stehen. Hier geht er auf. Liebevoll weist er seinen Gehilfen und Sidekick Brian in die Arbeitsschritte ein, erklärt die Hintergründe seiner Backkunst und reißt hier und da einen Witz. Neben ihm verkommt selbst der Moderator, der eigentlich durch die Kochshow führen soll, zur stichwortgebenden Randfigur. Damit er nicht ganz untätig rumstehen muss, bindet Malgieri ihn kurzfristig in den Backprozess mit ein. Echtes Schokotainment.

Malgieris Kochvorführung ist nur eine von vielen an diesem Tag. Stündlich können sich die Besucher dabei nicht nur von dem Trubel der gut besuchten Schokomesse erholen, sondern auch interessante Einblicke in mehr oder weniger originelle Schokoladenkochkunst erhaschen. Ein Spiegel, schräg über der Bühne angebracht, ermöglicht es dem Publikum dem Chocolatier dabei direkt auf die Hände zu schauen. Die Shows sind von schwankender Qualität. Mal zäh, mal interessant, mal amüsant. Am Ende lohnen sie sich dennoch immer, da hier die gerade gebackenen oder gekochten Leckereien an das Publikum verfüttert werden.

Die Kulisse der Kochvorführungen

Die Kulisse der Kochvorführungen

Probieren ist sowieso eine große Sache auf dem Salon du Chocolat. Nicht nur, weil es fast immer fantastisch schmeckt, sondern auch, weil sich auf diese Weise die vielen Aussteller der Schokomesse voneinander abzugrenzen versuchen. Hier wird knallhart um die Gunst der Besucher gebuhlt. Mit Schokolade. Für den Besucher eine gute Sache, muss er doch quasi nur mit offenen Händen von Stand zu Stand schlendern.

Ein Hauch Dekadenz

Natürlich gibt es nicht überall Schokolade zu ergaunern. Schokoladenkunst ist ebenfalls ein großes Thema beim Salon du Chocolat. Diverse kunstvolle Schokoladenschaustücke bezeugen das. Die kann man zwar nicht essen, lassen den ein oder anderen Besucher aber trotzdem staunend stehen bleiben.

Essen verboten!

Essen verboten!

Fragwürdiger wird es, wenn täglich um 17 Uhr das Defilee du Chocolat stattfindet, eine Art Symbiose der Schokoladen- und Modewelt. Die Rede ist von einer Modeschau mit Schokoladenkleidern, die das Motto „Die neuen Welten der Schokolade“ verkörpern sollen. Vielleicht könnte man über diesen Hauch von Dekadenz leichter hinweg sehen, wenn der Salon du Chocolat die Veranstaltung rund um die Schoko-Kleider nicht als Highlight präsentieren und bewerben würde. Am Ende steht die Wahl zur Miss Choco an. Siegerin des Publikumsvoting ist Christine von Muralt. Sie erhält einen Modelvertrag mit der Agentur BIBA Model Management.

Die Schokokleider

Die Schokokleider

Nick Malgieri hat mit so etwas sicher nichts am Hut. Der Autor diverser Back- und Kochbücher führt gerade die Herkunft des Namens seiner Spezialität aus. Kakaopulver hatte im 19. Jahrhundert nämlich eine rote Farbe, daher Devil’s Food Cake. Aber nicht nur der Teufel, sondern die Amerikaner im Allgemeinen lieben ja das Süße, lockert Malgieri die Geschichtsstunde auf.

Trends und Neuheiten

Selbstverständlich hat eine Schokoladenmesse zur Osterzeit viel Osterschokolade zu bieten. Tatsächlich begegnen uns an diesem Wochenende allerdings mehr Schokoladenenten als Schokoladenhasen. Neben vielen traditionellen Schokoladenprodukten gibt es auch Ausflüge in neue Gefilde. Ein solcher Abstecher ist beispielsweise die Grüner-Tee-Schokolade, die man aufgrund der giftgrünen Farbe bereits aus großer Entfernung sieht und um die man unserer Meinung nach besser einen Bogen machen sollte.

Angry Chocobird

Angry Chocobird

Eine absolute Neuheit auf dem Markt ist das Schokogetränk Choclo. Das mit Kohlensäure versetzte Erfrischungsgetränk mit Schokoladengeschmack ist erst seit wenigen Wochen auf dem Schweizer Markt. Das gewagt klingende Experiment konnte uns nach anfänglicher Skepsis geschmacklich überzeugen.

Weniger Beachtung fand das Thema Fairtrade und Bio. Zwar gab es auch hier Stände, die Nachhaltigkeit in den Fokus nahmen, aber das blieb die Ausnahme. Kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Schokolade fand leider das ganze Wochenende nicht statt, auch nicht in den Schokoladenvorträgen. Der Salon du Chocolat ist eben mehr eine Plattform, auf der sich Chocolatiers und Firmen präsentieren können, als ein Diskussionsforum.

Abwechslung ist Trumpf

Neben den Kochvorführungen gibt es für die Besucher auf dem überschaubaren Gelände noch diverse weitere Attraktionen. In der Chocosphère teilen Experten ihr Wissen vor Publikum. Hier gibt es einiges zu lernen, beispielsweise über „Die Harmonie von Bier und Schokolade“. Auch Schokoladenkurse werden angeboten. Hierbei erhält man im Atelier Patisserie unter Anleitung von Profis einen praxisorientierten Einblick in die Arbeit eines Chocolatiers. Für Kinder wurde ebenfalls vorgesorgt. Im sogenannten Chocoland können sich Kinder die Welt der Schokolade spielerisch erschließen.

Immer ein Lächeln auf den Lippen: Sadaharo Aoki

Immer ein Lächeln auf den Lippen: Sadaharo Aoki

Die vorherrschende Sprache des Salon du Chocolat in Zürich ist Schweizerdeutsch, aber auch Englisch und Französisch hört man an jeder Ecke. Mit Ausstellern aus Asien und Südamerika kann die Schokoladenmesse durchaus den Anspruch erheben, internationales Format zu haben. Auch wenn das Gros der Aussteller aus der Schweiz kommt. Deutsche Chocolatiers finden sich hier kaum.

Das Paket stimmt – Fazit zum Salon du Chocolat 2013 in Zürich

Der Erfolg gibt dem Salon du Chocolat recht. Mit 16.000 Besuchern an drei Tagen konnte die Messe den ersten Versuch von 2012 übertrumpfen. Die meisten Besucher dürften es nicht bereut haben. Trotz happiger 18 Schweizer Franken Eintritt. Schokofans können hier ohne Probleme Stunden verbringen, ohne das Langeweile aufkommt – und sich nebenbei den Bauch mit Schokolade vollstopfen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Messe das nächste Mal wieder ausschließlich dem Thema Schokolade als Lebensmittel widmet. Denn fest steht bereits: Der Salon du Chocolat besucht nächstes Jahr wieder Zürich. Hoffentlich ist dann auch wieder Nick Malgieri mit von der Partie. Sein Devil’s Food Cake schmeckt nämlich so teuflisch gut, dass die Messe ohne ihn weitaus weniger himmlisch wäre.