Der Eingang des Schokomuseums (Bild: Politikaner/wikimedia.org)

Das Schokoladenmuseum in Köln: Highlight oder Zeitverschwendung?

Der Eingang des Schokomuseums (Bild: Politikaner/wikimedia.org)

Der Eingang des Schokoladenmuseums (Bild: Politikaner/wikimedia.org)

In Köln steht das Schokoladenmuseum. Auf 4000 Quadratmetern soll hier 4000 Jahre Schokoladengeschichte präsentiert werden – und einiges mehr. Wir waren vor Ort, um herauszufinden, ob das Museum eine Reise wert ist.

 Schnee im Sommer

Rund 30 Grad Celsius und über 90% Luftfeuchtigkeit. Ein ganz normaler Novembertag mitten in Deutschland. Erderwärmung 2.0? Mitnichten! Im Schokoladenmuseum Köln (genauergesagt auf der ersten von drei Etagen), befindet sich ein kleines Tropenhaus, welches die Lebensbedingungen der Kakakopflanze simuliert. Urwaldfeeling pur.

Dieses Gefühl haben seit der Eröffnung 1993 rund 10 Millionen Besucher gehabt. Eine stolze Zahl, die nicht nur dafür gesorgt hat, dass das Schokomuseum in Köln eines der wenigen seiner Art ist, die sich selbst finanzieren. Auch unter die zehn meistbesuchtesten Museen im ganzen Land haben die Besucherzahlen die Einrichtung katapultiert. Da sich das Schokomuseum auf einer Art Halbinsel am Rhein befindet und komplett aus Glas besteht, kann man draußen sogar die ein oder andere Schneeflocke erhaschen – ein unwirkliches Gefühl, wenn gleichzeitig die Atmung dank der immensen Luftfeuchtigkeit drinnen binnen weniger Minuten erschwert wird.

Glücklicherweise nimmt das Tropenhaus nur wenige Quadratmeter ein und die Luft im restlichen Gebäude entspricht der Art, welche die mitteleuropäische Lunge gewohnt ist. Bereits diese erste Etage, welche sich hauptsächlich mit der Kakaopflanze an sich, der Ernte und der Verträglichkeit von Kakao beschäftigt, macht klar, was das Schokomuseum ausmacht: Vielfältigkeit. Es ist schon erstaunlich wie viel Wissen man auf recht wenig Platz ballen kann. Das Wissen an sich wird auch vielfältig vermittelt. Natürlich gibt es Textwände und diverse Exponate. Aber auch ebensoviele Hörbeiträge und kleine Filme. In Verbindung mit den diversen Touchscreens, an denen man sich die gewünschte Info „erklicken“ kann, macht das Schokomuseum einen durchaus modernen Eindruck. Schon auf der ersten Etage kann man locker eine Stunde verbringen und hat am Ende das Gefühl, das Wissen eines ganzen Lexikons aufgesogen zu haben.

Vom rein umflutet: das Schokoladenmuseum (Bild: Островский Александр, Киев/wikimedia.org)

Vom rein umflutet: das Schokoladenmuseum (Bild: Островский Александр, Киев/wikimedia.org)

Lindt und Indianer

Im hinteren Teil des ersten Stocks im Schokoladenmuseum wird sich der Produktion von Schokolade gewidmet. Diverse alte, teils neuen Maschinen können hier bewundert werden und gewähren einen Blick auf die durchaus komplizierte industrielle Fertigung von Schokolade. Hier nimmt die Wissensvermittlung eine (willkommene) Pause. Kaum ein Gerät wird erklärt, vieles bleibt der Phantasie des Besuchers überlassen. Einige Geräte laufen hier sogar noch, so dass man sehen kann, wie täglich rund 400 Kilo Lindt-Schokolade hergestellt wird. Seit 2006 hat sich Lindt in das Schokoladenmuseum, welches eigentlich von dem Stollwerck-Chef Hans Imhoff gegründet wurde, dessen Name auch immer noch mit dem des (Imhoff-)Schokoladenmuseums verbunden ist, eingekauft. Glücklicherweise wird sich nicht zu sehr auf den Schweizer Schokoladenhersteller fixiert. Gleiches gilt für Hussel, die ebenfalls beteiligt sind.

Der eigentlich interessante Teil im zweiten Stock ist der tiefere Blick in die Kulturgeschichte der Schokolade, die immerhin über 4000 Jahre zurückreicht. Die Geschichte der Maya, Inka und Co. wird hier nicht nur platt heruntergebetet, sondern durch hochwertige Exponate (beispielsweise ein jahrtausender alter Schokoladentrinkkelch) ergänzt. Oft wird das Wissen, welches wieder sehr multimedial vermittelt wird, auf Schokolade bezogen. Allerdings auch nicht zwanghaft. So kann man ungestört in fremde Kulturen eintauchen – der vielleicht stärkste Teil des Schokoladenmuseums in Köln. Kritiker mögen meinen, dass man zu sehr und zu viel mit Informationen und Wissen bombardiert wird, aber anders ist die spannende Kulturgeschichte nur mit Auslassungen zu erzählen – und für eine abgespeckte und lückenhafte Geschichtsstunde geht man nicht in ein Museum. Im hinteren Teil des zweiten Stockes im Schokoladenmuseumgeht es um den Vormarsch der Schokolade in Europa. Sogar ein Kiosk um 1900 wurde originalgetreu nachgebaut, nebst vielen Schokoladenautomaten, welche aus dieser Zeit stammen – eine gelungene Zeitreise, welche durch alte Werbespots unterstützt wird und einen gehörigen Schub Nostalgie erzeugt.

Eine Wendeltreppe verbindet die Stockwerke (Bild: Bin im Garten/wikimedia.org)

Eine Wendeltreppe verbindet die Stockwerke (Bild: Bin im Garten/wikimedia.org)

Über die Wendeltreppe, die alle drei Stockwerke miteinander verbindet, gelangt man in den dritten Stock des Schokoladenmuseums, genannt „Kultschokoladen“. Neben Aufgaben für Kinder gibt es hier vor allem Infos rund um die Geschichte von Lindt & Sprüngli. Gegenüber den beiden unteren Etagen fällt dieser Teil qualitativ ab. Allerdings ist auch die Fläche sehr viel kleiner, und wer explizit etwas über die Unternehmensgeschichte von Lindt wissen will, ist hier genau richtig. Zugute halten muss man auch, dass es hier nicht nur um Lindt geht. Auch Konkurrenten wie Sarotti, Ritter Sport und Milka finden Erwähnung.

Alle Infos zum Schokoladenmuseum auf einen Blick

Geöffnet ist das Schokoladenmuseum von Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Im Dezember ist das Museum auch an Montagen geöffnet. Erwachsene zahlen 8,50 Euro Eintritt, Ermäßigungsberechtigte 6 Euro. Geburtstagskinder sowie Kinder unter 6 Jahren zahlen keinen Eintritt. Außerdem gibt es vergünstigte Gruppen- und Familienkarten. Auch gibt es verschiedene Führungen (mit und ohne Anmeldungen). Im Gebäude befinden sich neben dem Museum auch der Chocolate-Shop, wo es das gesamte Sortiment von Lindt und Hussel zu kaufen gibt (zu handelsüblichen Preisen). Außerdem bietet das Grand Café Chocolate nicht nur gutes Essen, sondern auch einen schönen Blick auf den Rhein. Für mehr Infos einfach die Homepage des Schokoladenmuseums besuchen.

Fazit

Für Schokofans ist der Besuch des Schokoladenmuseums nicht nur ein Muss, sondern ein Highlight. Aber auch Kulturinteressierte kommen auf Ihre Kosten. Das Museum schafft es, Wissen interessant zu vermitteln und Atmosphäre zu versprühen. Das Schokoladenmuseum in Köln ist also zurecht eines der erfolgreichsten Museen in Deutschland und auf jeden Fall eine Reise wert. Allerdings sollten sich Besucher mindestens eine, besser zwei Stunden Zeit nehmen, um auch wirklich nichts zu verpassen.

 

 

*Leider versagte die Schokonews-Kamera den Dienst, weswegen wir keine selbstgeschossenen Fotos präsentieren können.