Place du Chocolat in Offenburg - ein denkwürdiges Ereignis?

Wässrige Schokolade? Der Place du Chocolat in Offenburg

Place du Chocolat in Offenburg - ein denkwürdiges Ereignis?

Place du Chocolat in Offenburg – ein denkwürdiges Ereignis?

Vier Tage Schokolade pur in einem Schokoladen-Paradies. Das versprach das dritte internationale Schokoladenfestival Place du Chocolat in Offenburg zu werden – zumindest auf den großzügig verteilten Werbeplakaten. Schokonews war vor Ort um diese These zu überprüfen. Ein kritischer Rückblick.

Das Wetter – strömender, anhaltender Regen – kann an diesem Wochenende der Laune von Claus Dieter Wetzel nichts anhaben. Der Confiseur und Konditor ist einer von rund 20 Ausstellern, die dieses Jahr am Place du Chocolat teilnehmen. Dem in weiß gekleideten Schokoladenprofi sieht man an, dass sein Job gleichzeitig auch sein leidenschaftliches Hobby ist. Stolz steht er vor seinem kleinen Stand, bietet vorbeipilgernden Besuchern freundlich ein Stück seiner ganz besonderen Kreation, dem DLG-prämiertem Schwarzwälder Langholz, an.

Claus Dieter Wetzel vor seinem Stand

Claus Dieter Wetzel vor seinem Stand

Klein, nass und leer

Viele Besucher finden an diesem Wochenende nicht den Weg auf den Offenburger Marktplatz, der diesjährigen Location des Festivals. Die wenigen Hartgesottenen suchen immer wieder Zuflucht vor dem hartnäckigen Regen unter den rar gesäten Regenschirmen. Kaum größer als ein halbes Fußballfeld. So winzig ist das dritte internationale Schokoladenfestival in Offenburg. Die Namensgebung ist gleich doppelt missverständlich. Fast ausschließlich Aussteller aus der Region haben den Weg hierher gefunden. Außerdem ist Schokolade lang nicht der einzige Bestandteil des Place du Chocolat. Kaum die Hälfte der Stände bietet auch tatsächlich Schokolade an. Bezeichnenderweise ist die größte Menschentraube vor einer kreisrunden Bar in der Marktmitte zu finden. Den meisten Regenschirmen sei Dank.

Etwas trostlos - das diesjährige Schokoladenfestival Place du Chocolat

Etwas trostlos – das diesjährige Schokoladenfestival Place du Chocolat

Herr Wetzel stört das nicht. Der Besitzer einer Confiserie in Freudenstadt freut sich über jeden Besucher. Enthusiastisch erzählt er, warum seine Schokolade besser schmeckt als die aus dem Supermarkt. „Das liegt auch an der langen Erhitzungsphase. Bei uns wird die Schokolade so lange heiß gehalten, bis alle Aromen daraus verschwunden sind, die nichts in Schokolade zu suchen haben.“ Natürlich gebe es noch so viele andere Faktoren, aber die Zeit und Liebe, die man in die Herstellung investiere, zahle sich eben aus.

Mangelhafte Schokoatmosphäre

Herr Wetzels Begeisterung ist durchaus ansteckend, und sorgt für jene Atmosphäre, die man an diesem Wochenende sonst vermisst. Für ein Festival ist es – ob der wenigen Besucher – erstaunlich still. Immerhin gibt es Musik, die die Stille ab und an durchbricht. Zwei südamerikanisch aussehende Musiker geben sich redlich Mühe, die Pop-Hits der 80er und 90er-Jahre mit einem wahren Sammelsurium an Instrumenten wiederzugeben. Zwar werden sie von einem CD-Player unterstützt, aber allein der Anschein, hier würde wirklich nur Live-Musik gespielt, hat etwas Erbauendes. Trotzdem stellt man sich schokoladige Musik irgendwie anders vor. Immerhin: Nerven tun die Lieder auch nicht. Im Gegensatz zum anderen Rand des Marktplatzes, an dem ein Bar-Wagen jeden Schlagerhit der letzten Jahre per Lautsprecher in übertriebender Lautstärke erschallen lässt. Es sind jene Kleinigkeiten, die dem Place du Chocolat eher die Atmosphäre eines regionalen Dorffestes geben, anstatt die eines internationalen Schokoladenfestivals.

Die Tische der Aussteller bieten für Käufer reichlich Süßes

Die Tische der Aussteller bieten für Käufer reichlich Süßes

Aber auch daran stört sich Herr Wentzel wenig. Bereitwillig erzählt er, warum man lieber teure, bessere Schokolade kaufen sollte. „Also ich kriege von billiger Schokolade zum Beispiel immer Sodbrennen!“, feixt er mit übertriebener Gestik. Ansonsten sei es vor allem der Geschmack. „Ich bin mal aus Spaß in den Aldi marschiert, und habe mir diese Schokolade für nicht mal 50 Cent gekauft. Nach drei Bissen konnte ich nicht mehr weiteressen. Da ist die Verpackung mehr wert als die Schokolade. Für mich ist das gar keine Schokolade.“

 Ausgefallenes und Bewährtes

Abseits von Herr Wetzels Stand gibt es durchaus das ein oder andere Highlight. Beliebt ist beispielsweise der Stand der Schwarzwälder Genusswerkstatt. Und das obwohl hier ausnahmsweise keine Probierhäppchen angeboten werden. Mit pfiffigen Ideen wie der Bierflasche aus Schokolade zieht der Stand viel Aufmerksamkeit auf sich. Ähnlich geht es einem anderen Stand, der mit insgesamt vier Schokobrunnen aufwarten kann. Obstspieße werden hier vor den Publikumsaugen zubereitet, in dem sie einfach kurz unter den jeweiligen Brunnen (alle Brunnen sind mit unterschiedlicher Schokolade bestückt) gehalten werden. Nur der anschließende Verzehr gestaltet sich ob der großen Tropfgefahr schwierig.

Die Schokoladenbrunnen sind ein Zuschauermagnet

Die Schokoladenbrunnen sind ein Zuschauermagnet

Ansonsten fehlt es dem Place du Chocolat an Vielfältigkeit. Auch das angekündigte Rahmenprogramm fällt teilweise weg. Es gibt keinen Pralinenkurs und auch keine der angepriesenen Beautyanwendungen mit Schokolade. Zumindest nicht an diesem Tag. Immerhin ist der Eintritt frei, und an den meisten Ständen darf man tatsächlich auch kosten. Auch Ausgefallenes – wenn auch zu wenig – gibt es zu bewundern. An einem Stand gibt es beispielsweise Schokoladenwerkzeug zu erwerben. Der größte Kritikpunkt am Place du Chocolat ist allerdings, dass es fast ausschließlich Artikel zum Kauf gibt. Keine einzige Informationsveranstaltung, die Hintergründe erklärt oder einen tieferen Einblick in die Leidenschaft gewährt, aus der alle Besucher an diesen Tagen nach Offenburg gekommen sind. Hier geht es in erster Linie um das Verkaufen – um Schokolade an sich  nur am Rande. Profit scheint das einzige Anliegen der Organisatoren gewesen zu sein. Eine Zielsetzung, welche sich in Anbetracht der spärlichen Besucheranzahl nicht erfüllt haben dürfte.

Regional statt international, wässrig statt gehaltvoll

Einer der vielen Verkaufsstände

Einer der vielen Verkaufsstände

Das kalte und nasse Wetter hat der Schokoveranstaltung sicher nicht in die Karten gespielt. Aber auch abseits des Wetters fehlt es dem Place du Chocolat an Konsistenz. Die Notwendigkeit auch schokoladenfreies Essen anzubieten ist einzusehen, trotzdem ist es dem nächsten Festival zu wünschen, dass die Schokolade mehr im Mittelpunkt steht. Und zwar nicht nur als Verkaufsprodukt. Eine Reise war der Place du Chocolat dieses Jahr nicht wert, das angekündigte Schokoladen-Paradies ist hier definitiv nicht zu finden. Aber für Schokoladenfans aus der Region ist das Fest mit Abstrichen trotzdem eine akzeptable Wochenendbeschäftigung. Auch wegen Claus Dieter Wetzels und seinem leckeren Schwarzwälder Langholz.